Werkstattgespräche Schulverpflegung
Das LErn BW – Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg bot in diesem Jahr die Werkstattgespräche Schulverpflegung zu zwei unterschiedlichen Themenschwerpunkten an.
- Frühstück und Pause – gut versorgt bis mittags am 28. April 2026
- Appetit auf Schulmensa – Wege zu mehr Akzeptanz am 17. Juni 2026 und am 28. Juli 2026
Die Werkstattgespräche Schulverpflegung bieten Unterstützung und praxisnahe Anregungen rund um die Organisation und Umsetzung einer gesundheitsfördernden, nachhaltigen und bedarfsgerechten Verpflegung in Schulen. Die halbtägigen (Online-)Seminare richten sich an alle Akteurinnen und Akteure, die an der Schulverpflegung beteiligt sind, wie z. B. Schulträger, Leitungen, Caterer, Küchen- und Hauswirtschaftskräfte oder pädagogische Fachkräfte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren von den vermittelten Fachinformationen und Praxisbeispielen sowie von den Erfahrungen der anderen anwesenden Akteurinnen und Akteure. Ebenso können sie die Gelegenheit nutzen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungsvorschläge zu sammeln.
Werkstattgespräch Schulverpflegung: Frühstück und Pause – gut versorgt bis mittags
Wie sieht ein gesundheitsförderndes, nachhaltiges und altersgerechtes Frühstücks- oder Pausenangebot in der Schule aus? Welche Gründe sprechen überhaupt für ein organisiertes Schulfrühstück? Welche Vorteile bietet eine gute Pausenverpflegung am Vormittag?
Das Werkstattgespräch Schulverpflegung am 28. April 2026 lieferte Antworten auf diese Fragen und ließ daneben viel Zeit für Austausch untereinander.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren, wie ein gesundheitsförderndes, nachhaltiges und altersgerechtes Frühstücks- bzw. Pausenangebot am Vormittag in der Schule aussieht und welche Vorteile es mit sich bringt. Sie erhielten Impulse zur Optimierung bzw. Einführung eines Frühstücks- oder Pausenverpflegungsangebots. Als hilfreiches Material zur Einführung eines Frühstücksangebots an Grund- und Förderschulen wurde der Wegweiser „Frühstücken in der Schule?“ der DGE vorgestellt.
Zwei Praxisbeispiele lieferten konkrete Einblicke in die Organisation eines Schulfrühstücks an einer Grundschule sowie einer Pausencafé-AG an einem Gymnasium. Dabei wurde deutlich: Idealerweise braucht es verlässliche Ansprechpersonen und klare Zuständigkeiten. Bei der Vorbereitung eines Angebots sollten mehrere Aspekte bedacht werden, darunter: Räumlichkeiten, Finanzierung, Hygienemaßnahmen, personelle Ressourcen, Zielgruppe und deren Bedarf. Vorab kann z. B. eine Umfrage unter den Schülerinnen und Schülern gemacht werden. In der Umsetzung lohnt es sich, Feedback der Schülerinnen und Schüler einzuholen: Was kommt gut an? Was nicht? Dann kann darauf reagiert werden. Die Anregung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Einfach mal anfangen!
Werkstattgespräch Schulverpflegung: Appetit auf Schulmensa – Wege zu mehr Akzeptanz
Welche Faktoren und Voraussetzungen beeinflussen, ob Schülerinnen und Schüler gerne in der Mensa essen? Wie lässt sich die Akzeptanz des Schulessens und der Schulmensa steigern? Wen muss ich dafür ins Boot holen?
Das Werkstattgespräch Schulverpflegung lieferte Antworten auf diese Fragen und ließ daneben ausreichend Zeit für Austausch untereinander. Das Online-Seminar wurde an zwei Terminen angeboten: am 17. Juni 2026 und am 28. Juli 2026, jeweils von 14:00 bis 17:00 Uhr.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten sich über mögliche Einflussfaktoren auf die Akzeptanz der Schulmensa und des Schulessens aus. Genannt wurden u. a. Geschmack, Räumlichkeiten, Preis, Mitsprache bei der Auswahl, freundliches Mensapersonal, Lärmschutz, kurze Wartezeiten, Sauberkeit, ausreichend Pausenzeit.
Referentinnen aus der Praxis lieferten konkrete Beispiele für Maßnahmen und Projekte, die dabei helfen, die Akzeptanz (wieder) zu erhöhen. Deutlich wurde, wie wichtig es ist, alle an der Schulverpflegung beteiligten Personen einzubeziehen und verlässliche Ansprechpersonen zu definieren. Sehr hilfreich ist es, Feedback der Schülerinnen und Schüler aktiv einzuholen und zu nutzen, um Veränderungen anzustoßen. So eine Beteiligung schafft und stärkt Akzeptanz! Auch zielgruppenorientierte Angebote, wie z. B. To-Go-Boxen für das flexible Essen auf dem Schulhof, separate Bereiche für verschiedene Altersgruppen in der Mensa oder Aktionswochen können dabei helfen, Schülerinnen und Schüler für den Mensabesuch zu begeistern.
Lesetipp für weitere Anregungen: Interview: Wenn Schulessen begeistert: Gemeinsam Akzeptanz schaffen
Rückblick
Ganztagsbetreuung in Kita und Schule – Chancen guter Verpflegung nutzen
Kinder und Jugendliche verbringen einen immer größeren Teil ihres Tages in Kitas und Schulen. In Ganztagsschulen sind Schulträger verpflichtet (PDF), eine Mittagsverpflegung anzubieten. Auch in Kitas, ab einer Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden ist eine Mittagsverpflegung verpflichtend anzubieten (PDF). Durch erweiterte Öffnungszeiten in der Kita und dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder kommt einer gesundheitsfördernden, leckeren und nachhaltigen Verpflegung eine besondere Bedeutung zu. Die Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kitas und Schulen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bieten dabei eine Orientierungshilfe für die Gestaltung der Verpflegung.
Welche Vorteile kann ein gutes Kita- beziehungsweise Schulessen mit sich bringen?
In den vergangenen Werkstattgesprächen erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die Kita- und Schulverpflegung mehr ist als nur Essen und Trinken. In der Veranstaltung wurden die Grundlagen einer gesundheitsfördernden und nachhaltigen Verpflegung vorgestellt. Anschließend wurden die vielfältigen Chancen, die eine gute Verpflegung bieten kann, präsentiert und diskutiert. Dabei zeigte sich, dass die Verpflegung zahlreiche Möglichkeiten bietet, Kindern und Jugendlichen über den Tellerrand hinaus wichtige Kompetenzen zu vermitteln. Zudem berichteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über eigene Erfahrungen und Herausforderungen im Verpflegungsalltag.
Chancen guter Verpflegung in Kita und Schule liegen unter anderem…
- …darin, dass Mahlzeiten als wertvolle Bildungszeit wahrgenommen und genutzt werden können.
- … in der Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche aktiv teilhaben können – etwa beim Tisch decken, Abräumen oder durch das Einbringen von Feedback.
- …in der Vorbildfunktion der pädagogischen Fach- oder Lehrkraft - im Sinne der Akzeptanz der Speisen, der Freude am Essen und am bewussten Umgang mit dem Essen.
- …im Erlernen sozialer Kompetenzen, wie z. B. dem Teilen oder dem Rücksichtnehmen.
- …im Erlernen körperlicher Kompetenzen, wie z. B. der Schulung der Grob- und Feinmotorik.
- …im Erlernen einer Ess- und Tischkultur, wie z. B. über Tischsitten und Tischmanieren.
Kleine Stupser statt Verbote - Nudging in Kita und Schule
Jeden Tag entscheiden wir aufs Neue, was, wie viel, wann und mit dem wir essen. Wir treffen täglich rund 100.000 Entscheidungen – knapp 200 davon sind auf die Ernährung bezogen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bietet mit ihren Empfehlungen Gut essen und trinken alltagstaugliche Tipps, um unsere Gesundheit und auch die Umwelt zu schützen. Darunter fallen „am besten Wasser trinken", „Obst und Gemüse – viel und bunt" sowie „Süßes, Salziges und Fettiges – besser stehen lassen". Manchmal sind diese Empfehlungen nicht so einfach in die Tat umzusetzen, obwohl das Wissen um eine gesundheitsfördernde Ernährung durchaus vorhanden ist. Dann kann ein kleiner, bestenfalls unbemerkter Stups (engl. „nudge“) helfen, das Ernährungsverhalten in eine gesündere Richtung zu lenken.
Expertinnen und Experten sprechen dabei von Nudging. In der Kita- und Schulverpflegung bedeutet Nudging, dass das gesundheitsfördernde und nachhaltigere Getränke- und Speisenangebot so präsentiert wird, dass sich die Kinder und Jugendlichen für dieses entscheiden. Die gesündere Wahl wird durch Nudging zur einfacheren Wahl gemacht und kann somit einen positiven Effekt auf das Ernährungsverhalten haben. Nudging kann Kindern und Jugendlichen helfen, die für sie bessere und damit gesundheitsfördernde Wahl zu treffen – und das ganz ohne Zwang oder Verbote.
In den vergangenen Werkstattgesprächen erfuhren die Teilnehmenden, wie kleine Nudges („Stupser“) positive Veränderungen in der Kita- und Schulverpflegung bewirken können. Die Teilnehmenden tauschten sich in einem Erfahrungsaustausch zu verschiedensten Nudgingmöglichkeiten aus. Zahlreiche Ideen und Möglichkeiten für Nudging in Kita und Schule wurden zusammengetragen. Genannt wurde u. a.
- Mundgerecht geschnittenes Gemüse und Obst anbieten
- Kinder und Jugendliche an der Zubereitung der Speisen beteiligen (gemeinsame Kochaktionen)
- Probierportionen anbieten
- Altersgerechtes und ansprechendes Geschirr verwenden
- Attraktives Gestalten der Essumgebung (Mensa bzw. Speiseraum)
- Gemeinsames Essen mit pädagogischer Begleitung
Weitere Informationen zu Nudging:
Zhaw: Psychologie im Alltag nutzen. Ein Blog der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (zuletzt aufgerufen: 25.09.24)
KErn: Smarter Lunchrooms – fördern simple Maßnahmen ein günstiges Essverhalten (zuletzt aufgerufen: 18.09.2024)
KErn: Nudging leicht gemacht – Praktische Handlungsempfehlungen für die Schulmensa (PDF) (zuletzt aufgerufen: 18.09.2024)
BzfE: Stupser bei Essentscheidungen (zuletzt aufgerufen: 25.09.24)
Klimagesund und bunt – Abwechslungsreich essen in Kita und Schule
Die Ernährung ist weltweit für bis zu 30 Prozent der Emissionen von Klimagasen verantwortlich. Somit hat sie nicht nur einen Einfluss auf unser heutiges Wohlergehen, sondern auch auf das der zukünftigen Generationen. Immer mehr Kinder und Jugendliche essen in der Kita oder in der Schule und immer mehr Einrichtungen bieten eine Verpflegung an. Damit liegt in der Kita- und Schulverpflegung ein großes Potential für den Klima- und Ressourcenschutz. Ein ausgewogenes und zugleich klimafreundliches Speisenangebot lässt sich schon mit kleinen Veränderungen bei der Auswahl von Lebensmittelkomponenten und Gerichten umsetzen, z. B. durch ein größeres Angebot vegetarischer Gerichte auf dem Speiseplan.
In dieser Fortbildung erfuhren die Teilnehmenden in Theorie und Praxis, wie sie Kinder und Jugendliche für leckere vegetarische Gerichte begeistern und gleichzeitig etwas für das Klima und den Klimaschutz tun können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten einer erfahrenen Lehrkraft bei der Zubereitung vegetarischer Gerichte über die Schulter schauen und lernten, wie vegetarische Rezepte kind- und bedarfsgerecht in die Verpflegung von Kitas und Schulen integriert werden können. Ebenso erhielten sie Tipps, wie vegetarische Angebote gut präsentiert werden können. Dazwischen war Zeit für Austausch: Welche Gerichte kommen gut in Kita und Schule an? Welche Hindernisse erschweren die Umsetzung? Gemeinsam sammelten die Teilnehmenden Erfahrungen und Lösungsvorschläge.
Kooperationspartner:
