- Eine gute Kita- und Schulverpflegung fördert Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Sie stärkt die Wertschätzung von Lebensmitteln und prägt langfristig ein gesundheitsbewusstes Ernährungsverhalten.
- In einem kommunalen Verpflegungskonzept sind alle grundsätzlichen Ziele einer Kommune rund um die Kita- und Schulverpflegung festgehalten.
- Das Verpflegungskonzept einer jeden Kommune ist aufgrund der jeweiligen Rahmenbedingungen anders. Häufige Inhaltsthemen sind aber
zum Beispiel Leitbild, Kommunikation und Partizipation, Nachhaltigkeit, Finanzierung, Verpflegungsqualität und deren Sicherung.
- Die Ausarbeitung eines kommunalen Verpflegungskonzepts kann anstrengend sein und braucht Zeit. Der Aufwand lohnt sich jedoch, da das Konzept die Kommunikation, zukünftige Entscheidungen und Ausschreibungen vereinfacht..
Was ist ein kommunales Verpflegungskonzept?
Ein kommunales Verpflegungskonzept fasst im Unterschied zu einem einrichtungsbezogenen Verpflegungskonzept die grundsätzlichen Ziele rund um Kita- und Schulverpflegung zusammen, die sich Kommune setzt.
Es beschreibt allgemeine Qualitätsanforderungen an die Verpflegung. Und es stellt dar, welches Verpflegungsangebot grundsätzlich in den Einrichtungen angeboten werden soll. Es zeigt Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung auf, die von Verwaltung, Einrichtungen, Mensen bzw. Verpflegungsanbietern umgesetzt werden sollen.
Über dem allem steht der Wunsch eine gute Kita- und Schulverpflegung in den Einrichtungen der Kommune anzubieten.
Was macht eine gute Kita- und Schulverpflegung aus?
Eine gute Kita- und Schulverpflegung fördert Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Sie stärkt die Wertschätzung von Lebensmitteln und prägt langfristig ein gesundheitsbewusstes Ernährungsverhalten.
Entscheidend hierfür ist die Ausrichtung an geeigneten Kriterien, etwa an den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Diese geben zum Beispiel Orientierung für eine ausgewogene, gesundheitsfördernde und nachhaltige Speiseplanung.
Zusammen mit regionalen und biologischen Lebensmitteln, Ernährungsbildung und einem bewussten Umgang mit Lebensmittelabfällen entsteht eine stimmige Verpflegung. Wenn in der Umsetzung auf die Wünsche und Vorlieben von Kindern und Jugendlichen eingegangen wird, ist die Verpflegung attraktiv und wird gerne angenommen.
Klassische Inhaltsthemen eines kommunalen Verpflegungskonzepts
Bei der Konzeption sind vielfältige, komplexe Themen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzuführen. Klassische Inhaltsthemen eines kommunalen Verpflegungskonzepts sind zum Beispiel:
- Leitbild: grundsätzliche übergreifende Werte und Ziele der Verpflegung inkl. pädagogischer Rahmen
- Ausgangssituation: Anzahl der Einrichtungen, Anzahl der potentiellen Essensgäste, durchschnittliche tatsächliche Zahlen, Entwicklungspotentiale, bisherige Bewirtschaftungssysteme und Verpflegungssysteme
- Organisation und Rahmenbedingungen: Bewirtschaftungs-, Produktions-, Ausgabe-, Rückgabesystem, Bestellung und Abrechnung, Personalkonzept, Raumkonzept und ggf. Veränderungen
- Verpflegungsangebote und Verpflegungsqualität: Werden Frühstück und Zwischenmahlzeiten angeboten? Wie ist das Mittagessen gestaltet? Ausgestaltung des Speisenangebots z. B. Anzahl und Art von Menülinien sowie Getränkeangebot z. B. nach DGE-Empfehlungen
- Nachhaltigkeit: Aspekte zur Auswahl von Lebensmitteln wie z. B. Regionalität und Bio-Qualität, Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung und zum Ressourcenschutz
- Kommunikation und Partizipation: Kommunikationsabläufe bzw. Zuständigkeiten, Möglichkeiten der Partizipation für Kinder und Jugendliche z. B. Feedbackerhebungen, Umgang mit Beschwerden
- Pädagogisches Konzept: Verknüpfung von Ernährungsbildung und Verpflegung, besondere Aktivitäten
- Finanzierung: Subventionierung durch Kommune, Elternbeiträge nach Alter der Kinder, Bildungs- und Teilhabepaket
- Qualitätssicherung: Maßnahmen, Zuständigkeiten, Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Nicht alle Themen der Kita- und Schulverpflegung sind in jeder Kommune relevant. Im Prozess der Entwicklung ergeben sich häufig Schwerpunkte und
es werden Prioritäten gesetzt.
Welche Vorteile hat ein kommunales Verpflegungskonzept?
Bereits die Entwicklung eines kommunalen Verpflegungskonzepts gewinnt wichtige Erkenntnisse und verbessert Abläufe. Das fertige Konzept bringt Kommunen sowie Beteiligten in der Kita- und Schulverpflegung viele Vorteile.
zunehmender Bedeutung der Kita- und Schulverpflegung wird Rechnung getragen
Häufig bieten Kita- und Schulträger bereits seit einigen Jahren täglich ein Mittagessen in ihren Einrichtungen an. Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird der Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung für Kinder im Grundschulalter stufenweise eingeführt. Damit gewinnt die Schulverpflegung für Kommunen weiter an Bedeutung. Ab 2029/2030 haben alle Kinder der Klassen 1 bis 4 einen Anspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung.
An allen Tagen mit Ganztagsbetrieb muss ein Mittagessen angeboten werden. Im Rahmen der freiwilligen Nachmittagsbetreuungsangebote bleibt das Angebot eines Mittagessens für Schulträger freiwillig.
In Kindertageseinrichtungen muss ein Mittagessen nur verpflichtend angeboten werden, wenn Kinder dort länger als sieben Stunden betreut werden. Für Kinder unter drei Jahren ist dies nach Einschätzung des Landesgesundheitsamts bereits bei einer Betreuung von mehr als fünf Stunden pro Tag gesundheitlich erforderlich.
Doch Verpflegung ist längst mehr als nur eine organisatorische Pflichtaufgabe. Essen soll nicht nur satt machen, sondern auch gesund, attraktiv, nachhaltig und wirtschaftlich sein. Klingt anspruchsvoll? Ist es auch. Doch diese Anforderungen spiegeln die Merkmale einer qualitätsvollen und akzeptierten Verpflegung wider. Es lohnt sich diese Herausforderung anzunehmen und die Qualität der Kita- und Schulverpflegung zu entwickeln!
Konzeptentwicklung bietet Chance für grundlegende Entscheidungen
Damit gute Verpflegung gelingt, sind die strategische Entwicklung und Steuerung der Qualität durch die Kommunen essentiell. Genau hier setzen kommunale Verpflegungskonzepte an. Denn, ein Patentrezept für alle Kommunen gibt es nicht.
Im Rahmen der Entwicklung eines kommunalen Verpflegungskonzepts werden häufig strategische Entscheidungen vorbereitet. Die Akteurinnen und Akteure aus Verwaltung, Einrichtungen und Mensen beschäftigen sich intensiv mit der Thematik. Dabei generieren sie oftmals Lösungen für bestehende Herausforderungen.
Prozesse werden hinterfragt und optimiert
Die Kita- und Schulverpflegung hat sich in Kommunen häufig nach und nach entwickelt. Strukturen und Prozesse sind ohne grundsätzliche Konzeption gewachsen. Oftmals funktioniert die Organisation an sich gut.
Es gibt aber immer Potential zur Verbesserung von Abläufen, Zuständigkeiten, Kommunikation, eingesetzten Produktionsmitteln oder Essatmosphäre. Sodass eine bessere Ergebnisqualität (Geschmack, Sensorik, Frische, …) und eine höhere Akzeptanz, die sich in der Zahl der Essensgäste niederschlägt, erreicht werden kann. Zusammen mit der Gestaltung effizienterer Abläufe steigert dies die Wirtschaftlichkeit.
Im Rahmen der Entwicklung eines kommunalen Verpflegungskonzepts werden Strukturen und Prozesse daher unter die Lupe genommen, auf ihren Beitrag zur Zielerreichung hin überprüft und bei Bedarf optimiert.
Basis einer guten Zusammenarbeit wird geschaffen
Das fertige Konzept ist ein Kommunikationsinstrument nach „innen“, also von Verwaltung zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Einrichtungen und Mensen. Es informiert beispielsweise neu eingestellte Personen über die geltenden Standards.
Gleichzeitig kann es zur Kommunikation nach „außen“, also von Kommune zu Eltern und Erziehungsberechtigten, Kindern und Jugendlichen sowie Verpflegungsanbietern genutzt werden. Einige Kommunen veröffentlichen ihre ausgearbeiteten Konzepte auf ihren Internetseiten, zum Beispiel die Städte Backnang (PDF) oder Ludwigsburg (PDF).
Auch bei der konkreten Umsetzung der Verpflegung dient das Konzept als Grundlage der Kommunikation. Im Rahmen von Verpflegungsausschüssen oder Runden Tischen wird die Umsetzung des Konzepts vorangetrieben. Denn ein einmal entwickeltes Konzept muss gelebt werden und soll bei Bedarf an veränderte Gegebenheiten angepasst werden.
Eine Sammlung grundlegender Informationen zur Erstellung von kommunalen Verpflegungskonzepten sowie zu den Inhaltsthemen steht auf unserer digitalen Pinnwand Informationssammlung Kita- und Schulverpflegung bereit.
In den Einrichtungen einer Kommune – etwa Kitas, Grundschulen oder weiterführenden Schulen – werden die Essensangebote oft von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Beschäftigten miteinander verglichen. Häufig gibt es dabei Unterschiede: zum Beispiel bei der Anzahl der Gerichte zur Auswahl, beim Angebot zusätzlicher Salatteller oder Salattheken, bei Snacks oder Nachspeisen.
Manche Unterschiede sind sinnvoll, weil sie zur jeweiligen Einrichtung passen – etwa die Art der Speisen oder ob es eine Salattheke oder fertige Salatteller gibt.
Damit alle Einrichtungen aber als gleichwertig wahrgenommen werden, helfen gemeinsame Qualitätsregeln. Dazu gehören zum Beispiel:
- wie oft bestimmte Lebensmittelgruppen angeboten werden müssen,
- welcher Anteil an Bio-Produkten erreicht werden soll,
- welche Angebote ausgeschlossen werden (z. B. Softdrinks oder reine Süßspeisen).
Solche gemeinsamen Standards sorgen für mehr Einheitlichkeit im Angebot und zeigen deutlich: Alle Einrichtungen der Kommune halten denselben hohen Qualitätsanspruch ein.
Ausschreibung und Vergabe werden vereinfacht
Das „Zusammendenken“ mehrerer Verpflegungseinrichtungen eines Trägers kann auch zu einem Effizienzgewinn in der Beschaffung beitragen. Denn, ist das Konzept fertiggestellt und von Verwaltungsleitung, Ausschuss und/oder Rat beschlossen, dient es als Grundlage für zukünftige Ausschreibungen.
Die bereits gesammelten Informationen zu Bedarfen, abgestimmte Anforderungen und Abläufe erleichtern die Formulierung von Ausschreibungsunterlagen. Die Durchführung von gemeinsamen Vergabeverfahren für verschiedene Einrichtungen wird erleichtert, was zur Einsparung von Ressourcen in der Verwaltung beiträgt. Konkret kann dies zum Beispiel die Beauftragung von Verpflegungsanbietern oder die Beschaffung von Lebensmitteln für Frisch- und Mischküchen betreffen.
Dabei bedeutet die Formulierung einheitlicher Standards nicht, dass Gestaltungsspielräume in Einrichtungen und Mensen verloren gehen. Denn Speisepläne, Ausstattung, tägliche Abläufe oder Partizipationsmöglichkeiten müssen nicht identisch sein. Vielmehr geht es um das Klären und Setzen der Rahmenbedingungen.
Transparenz für alle Beteiligten wird geschaffen
Für ein funktionierendes Konzept sind die verschiedenen Akteurinnen und Akteure der Verpflegung bereits während der Entwicklung einzubeziehen. Ideen können eingebracht, diskutiert und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden. Während der Konzeptentwicklung werden häufig Antworten auf folgende Fragestellungen gesucht und gefunden:
- Wie kann die Essensversorgung gleichzeitig wirtschaftlich und nachhaltig sein? Können beispielsweise Lebensmittelabfälle reduziert werden und die Qualität von Lebensmitteln und Speisen optimiert werden?
- Sollen die Mensen zukünftig in Eigen- oder Fremdbewirtschaftung betrieben werden? Oder ist eine Mischung, zum Beispiel eigenes Personal mit zugekauften Dienstleistungen bzw. Lebensmittellieferungen die passende Form?
- Wie kann die steigende Zahl der Kita- bzw. Schulkinder in angemessener Form versorgt werden? Ist essen in Schichten möglich oder muss es ein An- oder Neubau sein?
- Kann die Akzeptanz der Mensa auch bei älteren Schülerinnen und Schülern gesteigert werden? Können z. B. Räume für mehrere Altersgruppen ansprechend gestaltet werden?
- Welche Möglichkeiten gibt es, das Kitaessen bzw. die Mensa in den Alltag der Einrichtung zu integrieren, sodass Ernährungsbildung gelebt wird und Essenszahlen steigen?
- Für welches Produktionssystem soll die Küche am neu zu bauenden Kita- oder Schulstandort ausgelegt sein?
- Welche Qualitätssicherungsmaßnahmen sind umzusetzen, damit die beauftragten Leistungen vom Verpflegungsanbieter zuverlässig erbracht werden?
Am Ende bleiben umsetzbare Maßnahmen, die von allen mitgetragen werden und in der Praxis umsetzbar sind.
Kommunales Verpflegungskonzept: Aufwand, der sich lohnt
Die grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema Kita- und Schulverpflegung und die Verankerung der Ergebnisse in einem kommunalen Verpflegungskonzept kann zunächst arbeitsintensiv und anstrengend sein, aber es lohnt sich.
- Einmal festgelegte Standards und Abläufe, werden nicht vor jeder Ausschreibung oder zu verschiedenen Anlässen aufs Neue grundsätzlich diskutiert.
- Die in einem Konzept formulierten Anforderungen und deren Entwicklung kann nachvollzogen werden.
- Die Festlegung auf gemeinsame Standards bedeutet nicht, dass einzelne Einrichtungen keinen Spielraum mehr haben. Der gegebene Rahmen wird in den Kitas und Schulen mit Leben gefüllt!
Lesen Sie im Artikel How to? Entwicklung kommunaler Verpflegungskonzepte welche Faktoren eine erfolgreiche Konzeptentwicklung begünstigen.
- Der Artikel enthält Erfahrungswerte aus dem Projekt Nachhaltige Schulverpflegung mit kommunalem Konzept und Schwerpunkt Fortbildung für Verwaltungskräfte
- Fachzentrum Ernährung Rheinland-Pfalz: Schritt-für-Schritt-Anleitung Handlungsleitfaden zur Erstellung eines Verpflegungskonzepts für kommunale Kita- und Schulträger, 2020 (zuletzt abgerufen: 5.10.2026)
- Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS): Angebotsformen der Kindertagesbetreuung in Baden-Württemberg – Eine Arbeitshilfe mit Mindestrahmenbedingungen und fachlichen Hinweisen, 2018 (zuletzt abgerufen: 5.10.2026)
- Ministerium für Kultus Baden-Württemberg: Ganztagsschule – Häufige Fragen und Antworten, Häufige Fragen und Antworten (zuletzt abgerufen: 5.10.2026)