Partizipation in der Kita – Essen und Trinken bieten zahlreiche Möglichkeiten

Warum ist Partizipation in der Kita wichtig und wie lässt sie sich bei Mahlzeiten in der Kita konkret umsetzen? Dieser Artikel zeigt, wie Kinder im Kita-Alltag rund um das Thema Essen und Trinken beteiligt werden können.

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Was bedeutet Partizipation?

Partizipation bedeutet, dass Kinder an Entscheidungen beteiligt werden, die ihr Leben betreffen. Sie dürfen ihre Meinung äußern, Vorschläge machen und – innerhalb klarer Rahmenbedingungen – mitentscheiden. Partizipation ist ein Kinderrecht, verankert in der UN-Kinderrechtskonvention. Sie ist zentrales Element pädagogischer Arbeit und des Orientierungsplans für Kitas und Kindertagespflege.

In der Kita heißt das: Kinder werden ernst genommen, gehört und aktiv in den Alltag einbezogen. 

Warum ist Partizipation so wichtig?

Wenn Kinder mitbestimmen dürfen, lernen sie früh, Verantwortung zu übernehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Sie erleben Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein: „Ich kann etwas bewirken.“ Gleichzeitig entwickeln sie soziale Kompetenzen, wie Zuhören, Kompromisse eingehen und Regeln aushandeln.

Welche Möglichkeiten zur Partizipation bieten Essen und Trinken in der Kita?

Mahlzeiten sind weit mehr als eine reine Nährstoffversorgung. Sie sind wiederkehrende Situationen, die Halt und Sicherheit geben und in denen Kinder sich mit Lebensmitteln auseinandersetzen. Sie lernen verschiedene Geschmäcker kennen und entwickeln ein Gefühl für Hunger und Sättigung. Gleichzeitig erleben sie Gemeinschaft, nutzen Sprache, verstehen Regeln und entwickeln Rituale.

Partizipation beginnt schon vor dem Essen

Beteiligung beginnt nicht erst beim Essen. Bereits bei der Vorbereitung können Kinder einbezogen werden. Sie helfen altersangemessen beim Tischdecken, verteilen Besteck, wählen Servietten aus oder schenken Wasser und Tee ein. Auch bei der Auswahl der Tischdekoration können sie mitentscheiden. Gemeinsam vereinbarte Tischregeln, Sitzordnungen und Rituale – etwa ein Begrüßungsritual vor der Mahlzeit – können Struktur geben und eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur Teilhabe.

Beispiel Kräuter anbauen: Selbst angebaute Kräuter aus dem Kita-Garten oder dem Hochbeet eignen sich gut, um Kinder in den gesamten Prozess einzubeziehen: Von der Auswahl der Kräuter über das Ernten bis zur Verwendung, zum Beispiel in einer Kräuterbutter oder als Tee. Dabei lernen sie nicht nur den Umgang mit Lebensmitteln, sondern entwickeln auch ein Verständnis für deren Herkunft und Wertschätzung. So werden Lebensmittel mit allen Sinnen erfahrbar. 

Mitbestimmung bei der Speiseplanung

Für das Verpflegungsangebot in der Kita sind grundsätzliche die Einrichtung, pädagogische Fachkräfte, Verpflegungsverantwortliche oder der Träger verantwortlich. Das Essen und Trinken in der Kita sollte kindgerecht, ausgewogen und gesundheitsfördernd sein. Es sollte sich am Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren.

Aber auch Kinder können bei der Speiseplanung mitbestimmen. Wenn ein Caterer der Einrichtung zum Beispiel vorab zwei Gerichte zur Auswahl anbietet, kann in der Kinderkonferenz zusammen über das Essen der nächsten Woche entschieden werden. Bei vorab festgelegten Speiseplänen bespricht die pädagogische Fachkraft den Wochenspeiseplan mit den Kindern. Sie kann Wünsche zu einzelnen Menükomponenten oder Gerichten abfragen. Wunschgerichte können gesammelt werden und an einem bestimmten Wochentag oder zu einem besonderen Anlass angeboten werden.

Nicht nur die Eltern interessiert der Speiseplan. Auch für die Kinder kann er gut sichtbar und verständlich gestaltet sein. Bilder und Symbole eignen sich dafür oder er wird den Kindern vorgelesen. 

Partizipation beim Kochen

Wenn in der Kita die Möglichkeit besteht Lebensmittel zuzubereiten, eröffnen sich viele Beteiligungsmöglichkeiten: Kinder können Gemüse und Obst auswählen, waschen, schneiden (altersgerecht), Speisen anrichten oder einfache Arbeitsschritte übernehmen

Ergänzend bietet sich ein gemeinsamer Einkauf mit den Kindern an, bei dem sie aktiv in die Auswahl der Lebensmittel einbezogen werden und so ein besseres Verständnis für die geplanten Mahlzeiten entwickeln. Beispielsweise können Kinder zusammen mit den pädagogischen Fachkräften den Einkaufszettel schreiben und die Lebensmittel im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt entdecken. 

Partizipation während des Essens

Während der Mahlzeiten können Kinder viele Entscheidungen selbst treffen. Sie wählen was und wie viel sie essen möchten. Sie können ihr Essen eigenständig schöpfen und entscheiden, ob sie etwas probieren möchten – ganz ohne Zwang. So lernen sie, Hunger‑ und Sättigungssignale wahrzunehmen und ihre Bedürfnisse auszudrücken. Ebenso können sie entscheiden, mit welchem Besteck sie essen möchten.

Partizipation während des Essens stärkt die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Wenn die Essensmenge in der Schüssel kleiner wird, lernen sie bei den gemeinsamen Mahlzeiten beispielsweise zu teilen, sich gegenseitig zu helfen und Rücksicht aufeinander zu nehmen.  

Auch in „organisatorische“ Entscheidungen können Kinder einbezogen werden: Kinder können mitbestimmen, neben wem sie sitzen möchten, je nach Mahlzeit – wann sie essen möchten und wann sie ihre Mahlzeit beenden. In offenen oder nicht festen Gruppen kann zudem die Wahl bestehen, in welcher Gruppe sie essen möchten.

Partizipation nach dem Essen

Nach der Mahlzeit können Kinder erneut teilhaben. Sie können beim Abräumen des Tisches helfen und beispielsweise das Geschirr und Besteck zum Spülwagen bringen oder in die Spülmaschine räumen. 

Zu einer gelungenen Partizipation zählt auch der Umgang mit Feedback und Beschwerden. Das eröffnet die Möglichkeit Änderungswünsche der Kinder zu hören und das Speisenangebot an die Bedürfnisse und Vorlieben der Kinder anzupassen. Werfen Sie dazu gerne einen Blick in unseren Kinderfragebogen Mittagessen. Er enthält vielfältige kindgerechte Fragen dazu, wie das Essen geschmeckt hat. 

Partizipation muss gewollt, echt und kindgerecht sei

Partizipation gelingt besonders gut, wenn Kinder tatsächlich einbezogen werden und ihre Meinung einen echten Einfluss hat. Wichtig ist dabei, ihnen passende und überschaubare Entscheidungsmöglichkeiten zu geben, damit sie sich sicher und nicht überfordert fühlen. Pädagogische Fachkräfte schaffen Bedingungen für Beteiligung, wenn sie Kindern etwas zutrauen, sich Zeit für gemeinsame Entscheidungen nehmen und flexible Abläufe ermöglichen. Außerdem ist es wichtig, dass alle Kinder gehört werden, damit auch ruhigere, jüngere oder sprachlich noch unsichere Kinder ihre Ideen einbringen können.

Partizipation in der Kita – kurz zusammengefasst

Partizipation, gerade beim Essen und Trinken, zeigt sich in alltäglichen Entscheidungsspielräumen und spielt sich im vereinbarten Rahmen ab. Essen und Trinken sind wertvolle Bildungsmomente. Damit Partizipation im Alltag funktioniert, braucht es klare Rahmenbedingungen, altersgerechte Aufgaben und Offenheit der Fachkräfte, Kontrolle abzugeben. Kinder können so ein positives Essverhalten erlernen und sich als selbstwirksam erleben. 

Materialien und Unterstützungsangebote

Das LErn BW – Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg stellt zahlreiche Info- und Bildungsmaterialien bereit. Hier eine kleine Auswahl für die Kita:

Die Landesinitiative BEKI – Bewusste Kinderernährung bietet im Bereich Kita und Kindertagespflege unter anderem das BEKI-Zertifikat für ernährungsbewusste Kitas und Fortbildungen an.

Entdecken Sie alle Angeboten des LErn BW rund um die Kitaverpflegung.

Autorinnen: Emilia Ehrhart, Ina Nauert

Wo 08/2026

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